Die Endlösung der Nazifrage


Hallo Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière,

es ist toll, wie Sie sich gegen „Linksextremismus” engagieren.

Sie verlassen sogar Ihren bequemen Sessel, um das Projekt „Linke Militanz in Geschichte und Gegenwart” der Stasi-Gedenk­stät­te in Ber­lin-Ho­hen­schön­hau­sen zu besuchen.
Wenn es allerdings das Ziel ist, gesellschaftliches Engagement gegen Rechts zu unterbinden, dann läuft hier etwas ziemlich gegen die Wand.

Der Arbeitsauftrag, Argumente zu finden, die die Aussage „Ich bleibe zuhause, denn Gegendemos bringen nichts. Sie werfen die Nazis nur auf und bringen denen mehr Aufmerksamkeit” verdeutlicht, dass Protest nicht gewollt ist.
Leise sein, menschenfeindliche Äußerungen akzeptieren und die Anderen machen lassen, Augen schließen und darauf zu hoffen, dass sich das Problem von alleine löst, ist jedenfalls nicht die Endlösung der Nazifrage.

Gilt es nicht vielmehr den Rechtspopulisten und -extremisten ganz klar Grenzen aufzuzeigen? Der Gesellschaft zu verdeutlichen, dass es sich bei den marschierenden Kameraden nicht um die Mehrheit handelt? Sollten wir nicht zeigen, dass linker Protest eben nicht ausschließlich der „schwarze Block” ist, sondern es sich viel mehr um Protest einer bunten Mischung empathiefähiger Menschen aus der breiten Gesellschaftsmitte handelt?
Nein, wir sollten unseren Kindern nicht beibringen, den Mund zu halten, sondern viel mehr, ihn aufzumachen und zu widersprechen.
Denn durch Abwarten und Zuschauen kommen wir nicht weiter. Ganz im Gegenteil: Wir geben den Rechtspopulisten die Möglichkeit ihre Parolen in der Gesellschaft unwidersprochen zu positionieren, und erst dadurch erlangen sie uneingeschränkte Aufmerksamkeit.

Der einfachste Weg ist eben nicht immer der Beste.

Unbequeme Grüße
Ihre
#HoGeSatzbau

Quelle:
bmi.bund.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/2017/09/Gedenkst%C3%A4tte-Hohensch%C3%B6nhausen.html