Über HoGeSatzbau

Die Hooligans Gegen Satzbau haben es sich zur Aufgabe gemacht, internationalen Bildungsflüchtlingen einen Ort zu bieten, an welchem sie ihre Menschwerdung sprachlich liebevoll erarbeiten können. Dazu korrigieren wir Beiträge, die diese Wutmenschen in den Weiten des Weltnetzes zum Besten geben, verteilen Tipps zur Orthografie und beantworten ihnen nie gestellte Fragen zu Meinungsfreiheit, Krieg, Flucht, Empathie und Menschlichkeit.

Doch was wir vor allem machen ist lachen, denn:
Lachen befreit und macht mutig

Interview

Wer steckt hinter „Hooligans gegen Satzbau“? Wir wissen, dass es für euch essentiell ist, anonym zu bleiben, aber vielleicht könnt ihr uns doch ein paar Details über euch verraten. Arbeitet ihr zum Beispiel wirklich im grafischen Bereich oder habt ihr Germanistik studiert? Habt ihr euch früher schon für Projekte gegen rechts eingesetzt? Woher kommt die Liebe zur deutschen Sprache?

Kiki

Kiki ist die liebenswerte Variante eines weiblichen Schlaubi Schlumpf. Wenn sie mal etwas nicht besser weiß, dann weiß sie es trotzdem besser, und wenn sie streng wird, packt sie ihren Zeigestock aus. Durch ihren Charme stimmt man(n) ihr nur allzu gern zu.

Grafikhool und ich (Klugscheißerhool), beide Mitte dreißig, miteinander verheiratet und Eltern von zwei Minihools, haben am 30.10.2014 aus einer Bierlaune heraus die HoGeSatzbau gegründet. Grafikhool ist tatsächlich Grafiker und arbeitet in einer Werbeagentur.Ich arbeite als Diplompädagogin mit dem Ziel der Stabilisierung und beruflichen Eingliederung mit Jugendlichen, die auch unsere Hooliganschüler sein könnten, sozusagen mit dem reichsdeutschen Nachwuchs. Grammatikhool aka Elsbeth ist Ende 30, Mutter eines Midi- und eines Microhools, arbeitet als Schauspielerin und studiert seit einigen Jahren Kultur- und Musikwissenschaft. Sie ist die mit „müslimistischem“ Migrationshintergrund und kam ein paar Wochen nach unserem Start mit dazu, als wir merkten, dass wir dem Ansturm zu zweit nicht gerecht werden konnten. Irgendwie aktiv gegen Rechts waren wir alle drei wohl schon immer. Mal organisierter, mal eher chaotisch spontan, aber wir konnten alle drei noch nie die Klappe halten, wenn es um rechte Meinungsmache ging. Wir denken, dass wir eine sehr komplexe, ausgeklügelte und auch schöne Sprache haben. Das ist Kultur und keine übermäßige Liebe. Wie kann es also sein, dass die, die von deutscher (Hoch-)Kultur schwafeln, eben diese nicht annähernd beherrschen?

Grafik

Der Grafikhool ist ein liebenswerter Anarcho. Er handelt oft augenscheinlich unbedacht, meist aber doppeldeutig und verstörend. Manche sagen, das wäre besonders intelligent. Der Grafikhool schert sich nicht sonderlich darum, immer korrekt zu sein. Er ist stets freundlich, aber man weiß nie, was er grad denkt und plant.

Wann und wieso wurden die Hooligans gegen Satzbau ins Leben gerufen? Was war die Motivation dahinter? Grundsätzlich ist uns natürlich klar, wieso, aber gab es einen speziellen Auslöser, der euch zu dem Projekt bewogen hat?

Wir haben, nachdem wir uns unzählige Male über die katastrophale Rechtschreibung der arischen Hasspostings aufgeregt haben, irgendwann angefangen, unter unseren Klarnamenprofilen Neonazis zu korrigieren. Ein gefährliches Unterfangen, wie wir schnell merkten, da sich die stolzen Deutschen ordentlich an den Eiern gepackt fühlten. Nach ein paar Korrekturen war uns klar, dass das eigentlich öffentlich passieren müsste. Das war die Geburtsstunde der HoGeSatzbau. Grammatikhool kam dann am 17.11.2014 dazu, nachdem Grafikhool sie anschrieb und fragte, ob sie Lust hat uns zu unterstützen. Sie war damals im Mutterschutz, hatte sehr viel Zeit und fiel uns durch ihre direkte und sympathische Art und Weise auf, wie sie jedes unserer Postings kommentierte.

Elsbeth

Elsbeth ist besonnen und ruhig. Sie ist gebildet und kulturbewandert. Sie ist sensibel, aber vehement, wenn es darauf ankommt. Abgesehen davon ist sie die einzige der drei Hools, die die Rechtschreibung wirklich beherrscht. Bevor Elsbeth etwas schreibt, blättert sie lieber zehn Mal im Duden, ehe sie es falsch schreibt.

Glaubt ihr, dass unter Neonazis und Leuten mit rechter Gesinnung tatsächlich mehr Personen zu finden sind, die erhebliche Schwächen bei der Verwendung ihrer Muttersprache aufweisen, oder ist das ein allgemeines Problem, das immer mehr um sich greift? (Wobei ich bei der Lektüre von „Der Totale Rausch“ feststellen musste, dass selbst Dokumente aus den 30ern und 40ern voller Schreibfehler steckten.)

Sprache ist Macht. Menschen, die im Ausdruck begrenzt sind, können nicht im gleichen Maße in der Gesellschaft partizipieren und haben das Gefühl, weniger Einfluss auf ihr Leben nehmen oder Veränderungen in ihrem eigenen Leben vornehmen zu können. Unserer Meinung nach entsteht so u.a. ihr Hass auf alles Fremde, auf Dinge, die sie nicht verstehen (können), auf die Politik und auch die dankbare Aufnahme von einfachen Erklärungen. Das Leben ist ihnen einfach zu komplex. Natürlich gibt es auch intelligente Funktionäre mit rechter Gesinnung, dies sind meist die Drahtzieher und Anheizer. Sie geben sich als die Stimme des gemeinen Volkes aus und sind aus diesem Grunde sehr gefährlich und höchst manipulativ.

Passend dazu: Wie schwer ist es, im Netz anonym zu bleiben? Haben Leute schon versucht, mit Tricks eure wahre Identität herauszufinden? Die meisten sind zwar selbst zu blöd, um ihre Facebook-Accounts nicht für aller Welt zugänglich zu präsentieren, aber sicher gibt es auch ein paar intelligentere Exemplare unter euren „Schülern“.

Riesenaufwand, anonym zu bleiben, betreiben wir nicht, wir treffen nur ein paar Vorsichtsmaßnahmen. Wir haben einen Anwalt, der Post für uns entgegennimmt und bei uns im Impressum steht, wir nennen nicht unsere Namen, zeigen nicht unser Gesicht, treten also nicht in der Öffentlichkeit als Hooligans auf und nur unsere engsten Freunde wissen, dass wir die Hooligans sind. Grafik- und Grammatikhool fällt es oft schwer, nicht über die HoGeSatzbau zu reden und sich so zu verraten, ich bin da vorsichtiger. Vielleicht, weil ich jeden Tag mit diesen Menschen im wirklichen Leben konfrontiert bin und mitbekomme, wie schnell Dummheit in Gewalt umschlagen kann. Aber die HoGeSatzbau nehmen einfach einen nicht unerheblichen Teil unseres Lebens ein, da ist es manchmal echt schwierig, nicht zu plaudern. Gedroht wird uns eigentlich nur noch mit juristischen Konsequenzen, nur selten damit, unsere Identität mittels der IP-Adresse herauszubekommen oder uns vor Gericht zu zerren. Manchmal haben wir den Eindruck, dass wir eine Art Respektinstanz geworden sind, da unsere Nachhilfeschüler tendenziell gar nicht unsere Nachhilfeschüler sein möchten. Entsprechend bekommen wir verhältnismäßig wenig Drohungen, wenn wir das mit anderen antifaschistischen Seiten vergleichen. Wahrscheinlich haben sie einfach Angst, sich mit einer Korrektur unsererseits zu entblößen. Denn letztendlich sind wir es, die zuletzt lachen, uns die Hände reiben und sofort darauf herumreiten und es veröffentlichen.

Ihr hattet schon oft Probleme mit Facebook. Was hat sich diesbezüglich in den letzten Monaten getan? Was haltet ihr von der Vorgehensweise von Facebook, was Posts mit rechtspopulistischem Inhalt angeht? Sind andere Netzwerke (ihr seid ja auch auf Twitter und Tumblr aktiv) ebenso kurzsichtig?

Es fällt uns schwer, Geld von einem Konzern zu erhalten, der sich, unterstützt von der Bundesfamilienministerin, mit einem Kleingeld in Höhe von 2500€, eine weiße Weste kauft. Wir wollen nicht, dass ihr euch hiermit einfach aus der eigenen Verantwortung stehlt.

Eine Zeit lang hatten wir ziemlich mit Sperrungen vonseiten Facebooks zu tun, da Facebook davon ausging, dass wir eine rechtspopulistische Seite sind, was wohl daran lag, dass die Kontrollinstanz nicht deutschsprachig ist, wie an uns herangetragen wurde. In letzter Zeit lässt uns Facebook in Ruhe. Toitoitoi. Tumblr und Twitter haben uns noch nie Steine in den Weg gelegt. Facebook trägt eine hohe Verantwortung meines Erachtens und sollte diese wesentlich aufmerksamer wahrnehmen. Und dies nicht nur, was Nippel angeht, sondern auch menschenfeindliche und diskriminierende Inhalte.

Die Posts, die ihr zu lesen bekommt, sind teilweise ja derart menschenverachtend, dass es einem kalt den Rücken runterläuft. Habt ihr schon einmal selbst Strafanzeige gegen Urheber solcher Posts gestellt?

Ich kann mich an eine Anzeige erinnern, die wir gestellt haben. Mittlerweile wird das aber durch unsere Follower erledigt. Wir sehen uns da eher als den roten Pfeil, der auf Beiträge aufmerksam macht, sonst würden wir das Arbeitspensum einfach nicht mehr schaffen.

Wie kommt ihr überhaupt an die Posts, die ihr korrigiert? Werden sie euch von Followern zugesandt?

Wir bekommen sehr viel zugeschickt. Oft sind wir aber auch auf einschlägigen Seiten unterwegs, um stets im Blick zu haben, was gerade Thema ist, welche Meldungen verbreitet werden und was der Nazitrend so her gibt.

Woher nehmt ihr die Motivation, jeden Tag so viel Zeit in dieses Projekt zu investieren, obwohl ihr angefeindet werdet? Ist es schwer, das dann nicht persönlich zu nehmen, oder steht ihr da locker drüber?

bela

Zuspruch, der motiviert. Bela B. empfiehlt die HoGeSatzbau

Es ist irgendwie ein ständiges Auf und Ab. Immer, wenn einer eine Auszeit benötigt, springen die anderen beiden ein, oder es macht erstmal nur einer weiter. Grafikhool dachte aus aufkeimender Sorge um unsere Familie ab und an schon mal ans Hinschmeißen. Nach ein, zwei Nächten drüber schlafen und Abwägen war das Weitermachen dann aber doch zu wichtig, da die Angst einfach nicht siegen darf – das käme einer Resignation gleich.

Resignieren wollen und werden wir nicht.

Die Anfeindungen machen mir persönlich nichts aus. Ich lache darüber, vor allem dann, wenn sie aus der rechten Ecke kommen. Ab und zu wird aber auch aus anderen extremen Einstellungen heraus gegen uns geschossen. Das macht uns mehr aus. Also wenn uns Sexismus, Lookismus oder gar Rassismus oder andere Ismen unterstellt werden. Ich kenne uns drei gut und ich weiß, dass wir allgemein menschenfreundlich sind, und finde es schade, wenn unser oder auch ganz allgemein Engagement gegen Rechts derart aus Selbstgerechtigkeit torpediert wird. Was uns aber phasenweise am meisten ausmacht, sind die Inhalte, also der implizierte Hass, in den rechten Posts. Ab und zu gönne ich mir darum auch kurze Erholungsphasen, in welchen ich nicht korrigiere. Das passiert meist dann, wenn ich das Gefühl habe, bei der nächsten Korrektur Amok zu laufen. Meine Motivation sind meine Kinder, ich glaube sogar, es ist unser aller Grund, warum wir nicht aufgeben. Wir wollen ein Teil des Widerstands gegen diese menschenverachtenden Entwicklungen sein, um nicht irgendwann an den Punkt zu kommen, gefragt zu werden: „warum hast du nichts getan?“ Früher habe ich mich den Retronazis physisch in den Weg gestellt, heute mache ich das eher medial.

Farin-Urlaub

Auch Farin Urlaub kann sich ein Schmunzeln über die HoGeSatzbau nicht verkneifen.

Fühlten sich schon Leute aufgrund eurer Slogans wie „Lest nicht bei Duden“ oder „Dudenstern“ angegriffen?

Ja, oft, keine Frage, und vielleicht auch zu Recht. Diese Slogans sind gewollt provokativ und sollen auf die Problematik an sich aufmerksam machen: Rechte Propaganda finden wir überall, wir begegnen ihr täglich, wehren uns jedoch nicht und laufen oft sogar an ihr vorbei, ohne sie wahr zu nehmen. Unser Aufruf ist es: Leute macht die Augen auf, registriert diese Dinge und lasst sie nicht unkommentiert! Wenn wir also auffallen und als anstößig und verwerflich betrachtet werden, weil wir optisch einen Schritt weitergehen, warum schweigt dann die Allgemeinheit, wenn wirklich fürchterliche Dinge mit grausamen, menschenverachtenden Inhalten gepostet werden? Diese Frage kann sich ein jeder stellen, der uns ob der Optik anfeindet, sich aber noch nie virtuell in den Weg gestellt hat.

hogesa1-lowres

Teilweise veröffentlicht ihr ja auch Posts von bzw. Informationen über Politiker. Wurdet ihr schon von Parteien oder Politikern deswegen angegriffen?

Nein, zumindest nicht, dass wir davon in Kenntnis gesetzt wurden.

Erst kürzlich habt ihr ja öffentliche Plakatwände mit euren Plakaten überklebt. Gab es schon einmal Ärger wegen eurer Guerilla-Aktionen?

Die Grenzen zwischen der hooliganesken Virtualität und Realität sind derart fließend, dass es bisher noch keinen Ärger mit unseren Guerilla-Aktionen gab. Aber wer weiß schon so genau, was wir wirklich machen und was wir nur vorgaukeln. Eine weitverbreitete Online-Krankheit ist es ja, über jedes Stöckchen zu springen, was einem vorgehalten wird, ohne nur einen Moment zu hinterfragen, ob da wirklich etwas dran ist. Der Grafikhool hat jedenfalls regelmäßig seinen Spaß. Es ist nicht schwer, den Leuten „Geschichten“ zu erzählen, das nutzen ja auch die, gegen die wir versuchen anzukämpfen.

Was ist euer Ziel? Wann würdet ihr sagen, dass es Zeit ist, die Seite einzustellen?

Wenn uns jemand die Seite für ’ne Millionen abkauft, wir durch unseren Merchandiseverkauf Milliardäre geworden sind oder es keine Aufrechtdeutschen mehr gibt.